Chiropraktik – was ist das?

Die Chiropraktik zählt zu den alten Heilmethoden aus dem Bereich der manuellen Therapie. In dem Begriff manuell ist die lateinische Bedeutung „manus“ enthalten und bedeutet „Hand“. Die manuelle Therapie untersucht und behandelt mit wenigen Ausnahmen mit den Händen.

Mit der chiropraktischen Behandlung werden die Beweglichkeit und Funktion aller Gelenke des Körpers überprüft. Der Schwerpunkt wird dabei auf die Gelenke der Wirbelsäule gelegt. Kleinste Blockaden und Fehlstellungen in den Gelenken der Wirbelsäule können die Funktion des gesamten Körpers beeinflussen, in dem sie die Funktion des Nervensystems und damit die Funktion der Muskulatur oder anderer Körpersysteme verändern.

Früher waren die Bezeichnungen für manuelle Therapien mit „Einrenken“ oder „Knochenbrecher“ verbunden. Diese „Art der Therapie“ hat nichts mit der sanften Methode der Chiropraktik zu tun. Der Chiropraktiker bezeichnet kleine Bewegungseinschränkungen der Gelenke als Blockade. Diese werden in der Untersuchung lokalisiert und behoben, so dass die Bewegung und die Funktion aller Gelenke wiederhergestellt werden und somit das Pferd oder der Hund wieder Bewegungsfreude zurückerlangen.

Die Chiropraktik soll und kann auch nicht in Konkurrenz zur traditionellen Tiermedizin stehen und diese ersetzen, sondern sie bietet eine optimale Ergänzung in vielen Bereichen der Behandlung. Viele akute Erkrankungen bedürfen zunächst einer schulmedizinischen Abklärung bzw. Therapie, um akute Notfälle wie z.B. Frakturen, Zerrungen, Distorsionen zu diagnostizieren und zu versorgen. Sie kann einen Beitrag zur Steigerung oder Wiederherstellung des Wohlbefindens und der Leistungsfähigkeit Ihres Tieres leisten, ganz gleich, ob es sich um ein Sport- oder Freizeitpferd, ein Pferd in Rente oder den Familien- oder Sporthund handelt.

Die Wirbelsäule

Die Wirbelsäule ist sowohl beim Menschen wie auch beim Tier eine sehr komplexe Struktur. Sie besteht aus Knochen, Bändern, Muskeln und Nerven und hat verschiedene Aufgaben:

  • Stütz- und Haltefunktion
  • Schutz des Rückenmarks
  • Ansatzfläche für viele Muskeln

 

Die Wirbelsäule besteht aus einzelnen Wirbeln, die je nach Tierart in ihrer Anzahl unterschiedlich sind. Diese Wirbel sind untereinander durch Gelenke verbunden und werden durch Bänder und Muskulatur stabilisiert.

Die ansetzende Muskulatur an der Wirbelsäule sorgt für die Beweglichkeit. Die Mobilität der einzelnen Wirbelkörper ist gering, in der Summe ist die Wirbelsäule aber sehr beweglich. Im Zentrum der Wirbelsäule (im Wirbelkanal) liegt das Rückenmark. Zwischen den einzelnen Wirbelkörpern zweigen zu beiden Seiten nach außen Nervenbahnen ab, die Informationen zwischen dem Gehirn auf der einen Seite und Organen, Muskeln, Gelenken und Haut auf der anderen Seite transportieren. Damit das zentrale Nervensystem die Kontrolle über Organe und Gewebe behält, muss der Informationsfluss in beide Richtungen gewährleistet sein.

 

Blockade

Es handelt sich um eine Bewegungseinschränkung in einem Gelenk. Diese können in der Wirbelsäule oder in den Gliedmaßen lokalisiert sein. Die Bewegungseinschränkung befindet sich allerdings in dem normalen Bewegungsraum eines Gelenkes, es ist also nicht „ausgerenkt“. Dafür müssten sehr starke Kräfte auf ein Gelenk einwirken mit einem dramatischen Krankheitsbild, so dass es im Bereich der Wirbelsäule zu Schädigungen des Rückenmarkes mit Lähmungserscheinungen kommen kann.

 

In Folge einer Blockade geht die Flexibilität und Beweglichkeit des Gelenkes verloren. Dieses kann sich auf die austretenden Nerven auswirken. Der Nervenimpuls, der den nachfolgenden Muskel versorgt, wird durch beeinträchtige Reiz- und Informationsleitung vermindert. Das Gelenk selbst wird nicht mehr ausreichend mit notwendigen Stoffen versorgt und beginnt zu schmerzen. Die Muskulatur, die das Gelenk umgibt, verhärtet sich, um das geschädigte Gelenk zu schützen. Es kommt zu Fehlhaltungen des Körpers, um den Schmerz zu vermeiden. Dadurch werden andere Körperregionen, die ursächlich gar nicht betroffen sind, falsch oder übermäßig belastet. Und somit ist ein Kreislauf entstanden, aus dem der Körper in den meisten Fällen nicht ohne Unterstützung von außen herauskommt.

Wie entsteht eine Blockade?
Die Ursachen sind vielfältig, es können zum Beispiel sein:

  • Trauma wie Stürze, Stolpern, Festliegen in der Box
  • Falsche oder ungünstige Bewegungen wie ungenügendes Aufwärmen vor dem Training
  • Bewegungsmangel: durch zu wenig Bewegung kann die Muskulatur abgebaut werden
  • Leistung: die unterschiedlichen Disziplinen im Hunde- und Reitsport belasten die Wirbelsäule auf ihre spezifische Weise
  • Reiter: Sitzprobleme des Reiters durch einen unpassenden Sattel können zu Rückenproblemen führen
  • Beschlag: durch einen nicht korrekten Hufbeschlag bzw. -pflege kann der natürliche Bewegungsablauf beeinträchtigt werden
  • Ausrüstung: nicht passende Sättel oder ungeeignete Halsbänder
  • Vorerkrankungen

 

Symptome für Blockaden beim Pferd wären:

  • Taktfehler
  • Steifheit beim Biegen oder Stellen der Rücken schwingt nicht
  • Schnappen und Anlegen der Ohren beim Satteln
  • Verhaltensänderungen
  • reduzierte Leistungsfähigkeit

 

Folgende Symptome beim Hund sind möglich:

  • Bewegungsunlust
  • Schwäche der Hinterhand beim Aufstehen
  • Muskelschwund
  • Schmerzäußerungen bei bestimmten Bewegungen oder beim Hochheben
  • Bevorzugen einer Seite beim Liegen

 

Die chiropraktische Behandlung

Bei der Behandlung wird nach der Ursache gesucht und diese behandelt, um damit das Symptom (z.B. Schmerz) zu beseitigen. Die festgestellten Blockaden werden durch bestimmte und sanfte Handgriffe gelöst. Voraussetzung ist dafür, dass der Chiropraktiker genaue Kenntnisse der Anatomie besitzt, um dann mit einer schnellen Bewegung das betroffene Gelenk sicher und spezifisch zu behandeln. Die Kraft und die Stärke werden genau dosiert und der jeweiligen Situation angepasst. Somit wird der Informationsfluss zwischen Nervensystem, Muskulatur und Organen wiederhergestellt.

Zu jeder Erstuntersuchung gehört eine ausführliche Anamnese wie Haltung, Art der Nutzung, bekannte Erkrankungen und Auffälligkeiten. Danach wird das Tier im Stand und in der Bewegung beurteilt. Erst jetzt schließt sich die chiropraktische Untersuchung und Behandlung an. Der gesamte Körper wird abgetastet und die Gelenke auf ihre Beweglichkeit hin untersucht und behandelt. Durch die gezielte manuelle Behandlung wird das (und nur das!) betroffene Gelenk leicht über seine normale Beweglichkeit hinaus bewegt. Ein „Einrenken“ der Wirbelsäule mit Ziehen an Beinen und Schweif ist absolut unnötig und in keiner Weise spezifisch auf das betroffene Gelenk oder den betroffenen Wirbel abgestimmt. In solchen Situationen können Bänder und Gelenke schnell überdehnt werden

Bei Hunden findet diese Untersuchung auf einer weichen Unterlage statt. Da Pferde im Normalfall größer als ein Hund sind, gibt es das sogenannte „bale“, von dem aus der Rücken im Stand abgetastet werden kann.